21. Mrz. 2016 Gestatten, ein Blogger

Meine erste Abmahnung: Wie das deutsche Urheberrecht mich paranoid machte

Egal wo ich hinblicke, überall sehe ich einen Verstoß gegen das Urheberrecht. Ich leide unter Verfolgungswahn, mache mich verrückt. Ein Screenshot vom YouTube Video, das Filmposter für eine Kritik, die fünf Bilder eines Fotografen den man featuren möchte oder das Bild einer verbeulten Cola Dose auf Facebook.

Urheberrechtsverletzung, Urheberrechtsverletzung, Urheberrechtsverletzung!!! Mein Blog hatte mal knapp 1400 Beiträge. Nach einer Nacht und Nebel Aktion verblieben über 500 im Papierkorb und schlussendlich im Nirvana. Das alles waren Bilder, bei denen ich mir nicht zu 100% sicher sein konnte, ob jemals jemand an meine Tür klopfen wird und ein paar Tausend Euro kassieren will.

Ich wurde abgemahnt. Zum ersten Mal nach fast 6 Jahren bloggen. Eigentlich ein guter Schnitt, wenn man die vielen Jahre in Betracht zieht. Aber ich war bzw. bin am Boden zerstört. Alles was ich mit diesem Blog aufgebaut hatte stand plötzlich auf ziemlich wackligen Beinen. Ich kann das nicht so einfach abschütteln und weitermachen. Mich traf das ziemlich hart.

Die Summe war extrem hoch, höher als der Stand meines geliebten Bankkontos. Ich wurde abgemahnt, zu Recht. Ich hatte Bildmaterial verwendet, welches mir nicht gehört. Ich hatte die falsche Quelle genannt, aber selbst mit dem richtigen Verweis, hätte ich zahlen müssen. Der Abmahner war im Recht!

Natürlich nahm ich mir auch einen Anwalt und gemeinsam versuchten wir, den Preis meiner Leichtigkeit zu drücken. Dies klappte leider nur teilweise. Jetzt aber ist die Sache gegessen. Ich habe bezahlt, nicht nur mir Geld, sondern auch mir Spaß, Lust und Freiheit. Zeitweise wollte ich dieses Blog dichtmachen, aufhören und mich aus dem Internet zurückziehen. Klingt übertrieben, aber so bin ich nun mal.

Ja der Abmahner war im Recht, aber ich frage mich, ob es wirklich sein musste, direkt so auf mich einzuschlagen? Ich bin ein Blogger, habe ein Bild verwendet ohne die richtige Quelle zu nennen. Hätte man mich nicht erst mal anschreiben können? Ich hätte den Beitrag direkt gelöscht.

Aber wie gesagt, selbst mit der korrekten Nennung der Quelle ist man nicht geschützt. Im Gegenteil, ohne schriftliche Einwilligung des Urhebers darf man kein Material für sich verwenden. Im besten Fall fragt man also immer beim Urheber nach. Das allerdings könnte zu lange dauern und das wiederum ist ein Todesurteil im schnelllebigen Internet.

Wir Blogger leben gefährlich, überall verstoßen wir im Grunde gegen das Urheberrecht. Auch Screenshots von YouTube Videos unterliegen dem Urheberrecht. Selbst wenn man ein Auto fotografiert und kommerziell nutzt, kann man abgemahnt werden. Im Grunde darf man nichts! Bin ich paranoid?

Ich mache meinen Blog nicht dicht. Die etlichen Jahre an Arbeit sind mir einfach zu schade, um sie wegzuwerfen. Aber es wird sich einiges Ändern. Da hätten wir zum Beispiel das Blog-Design. Ich brauchte einfach was Neues um eine Art Schlussstrich zu ziehen. Das habe ich geschafft, auch wieder in einer Nacht und Nebel Aktion.

Sorry liebe Fotografen, Illustratoren und Designer. Ich werde euch nicht mehr featuren. Euch zu fragen dauert mir einfach zu lange. Ich werde weiterhin über Filme und Serien schreiben, Musiker vorstellen und interessante Videos aus dem Netz vorstellen. Darüber hinaus möchte ich aber mehr Eigen-Content kreieren. Ich koche gerne und habe überlegt meine Rezepte hier vorzustellen. Ich habe auch vor, eigene Videos und Kurzfilme zu drehen. Ideen gibt es genug.

Eigentlich muss ich dem Abmahner danken, denn der ganze Mist hat mich wachgerüttelt und ich habe richtig Bock, eigene Sachen zu machen. Ich hoffe, Ihr bleibt mir und meinem Blog trotzdem treu.

12 Leute schrieben was dazu

  1. Dominik schrieb am 22.03.2016
    Antworten

    Hey Daniel, du bist nicht allein. Ich hatte mehr Glück als Verstand mit meiner „Abmahnung“ aber ich weiß zu 100% wie du dich fühlst. (http://goo.gl/ydava9)

    Die ganze Situation ist so verzwickt, man möchte eigentlich mehr machen, hat aber jedes Mal Angst, wieder was falsch zu machen.

    Obwohl es bei mir schon was her ist, hat mich die Lust noch immer voll gepackt. Ich hoffe das kommt wieder

    • Daniel schrieb am 22.03.2016
      Antworten

      Hi Dominik, danke für Deine Worte. Da hast Du aber echt nochmal Glück gehabt. Dass die Leute einen vorher anschreiben, habe ich selten gehört. Es ist wirklich eine Blöde und Schwierige Geschichte für uns Blogger.

      Ich habe jetzt eine kleine Lösung für mich gefunden. Jedenfalls was Filme, Serien und Musik angeht. Vielleicht auch für Dich ein Tipp: Es gibt offizielle Pressestellen. Dort kann man sich registrieren und erhält dann Zugriff auf Video und Bildmaterial. So konnte ich mir bereits schönes Material von Warner sichern, für meine Review zu „Batman vs Superman“ 🙂 Ganz offiziell ohne Gefahr.

      LG.
      Daniel

  2. Dominik schrieb am 22.03.2016
    Antworten

    da fehlt noch ein „nicht“ zwischen -immer und voll- 😉

  3. Verena schrieb am 22.03.2016
    Antworten

    Davor hab ich ja auch Angst und deswegen habe ich das Bloggen wahrscheinlich auch sehr eingeschränkt. Früher hat man mal schnell ein lustiges Bild gepostet, heute ist mir das viel zu heikel. Zu Recht, ja. Aber wie Du schon sagst, heute wird man auch nicht mehr kurz gebeten, das Bild zu löschen, weil man es ungefragt gepostet hat, sondern wird direkt abgemahnt. Ganze Kanzleien sind nur danach aus, nach solchen Verstößen zu fahnden und das große Geld zu machen. Und selbst wenn Du das ok von einer Agentur o.ä. hast, kann es dir ja passieren, dass das Bildrecht an jemand anders übergeht und Du dann abgemahnt wirst. Es ist ja alles ganz schön irre!
    Ich frag mich, wie das die ganzen großen Blogger machen. Da muss man doch schnell sein und den neuesten Shit raushauen – vor allen anderen. Da ist doch keine Zeit, noch groß anzufragen und sich OKs einzuholen? Oder ist das kalkuliertes Risiko?
    Jedenfalls bin ich auch vorsichtig. Mehr eigener Content ist sicher der richtige Weg, auch individueller, ja ja, aber eben auch aufwändig. Sharing is caring ist aber heute leider zu teuer geworden. Schade, auch für Leute, die jetzt eben nicht mehr gefeatured werden. Ich kenn das Internet auch noch anders…
    (Nichts gegen das Urheberrecht, das hat alles seinen Sinn und ist richtig und wichtig! Aber ich wäre da für klare Kennzeichnungen und Nutzung (und Beachtung) von Creative Commons o.ä. und eben gegen diese darauf angelegte Abmahn-Abzocke. Das ist echt das Letzte.)

    • Daniel schrieb am 22.03.2016
      Antworten

      Hi Verena, im nächsten Leben werde ich auch Anwalt, aber einer der uns Bloggern hilft 🙂 Ich kenne das Internet auch noch anders, freier und nicht so gedrungen. Die Zeiten sind aber irgendwie vorbei. Wie das die anderen machen, gute Frage. Entweder haben die genug Kohle auf der hohen Kante oder die haben einfach nur Glück. Ich wurde ja in 6 Jahren zum ersten Mal abgemahnt. Ich habe auch nichts gegen das Urheberrecht, aber es ist hierzulande zu Steif. Ich bin der Meinung, das einem Fotografen kein Geld durch die Lappen gehen wird, wenn wir 3 – 5 Bilder mit einer Auflösung von 72 ppi und Maßen von 600x800px posten. Ich bin mit ein paar Fotografen und Designern im Kontakt für einen Beitrag darüber. Verschiedenen Ansichten und Meinungen wie Ersteller damit umgehen. Kannst also bald wieder vorbeischauen 🙂

  4. Ringo schrieb am 23.03.2016
    Antworten

    Hallo Daniel,

    ein schöner Beitrag. Allerdings muss ich ein zwei Sachen korrigieren.

    Sicher ist es am besten, wenn man eine schriftliche Einwilligung des Urhebers hat – aus Beweiszwecken. Aber eine Email tut’s im Zweifel auch, sogar eine mündliche Einwilligung ist rechtswirksam, lässt sich aber oft schwer beweisen, besonders wenn man keine Zeugen hat. In diesem Fall sollte man sich den Inhalt der Abrede nochmal schriftlich oder per Email bestätigen lassen.

    Es gibt aber auch Fälle, in denen man keine Einwilligung braucht. Wichtigster Fall ist das Zitat. Wenn man sich mit einem Bild in einem Artikel auseinandersetzt, darf man es zitieren. Was man dazu beachten muss, kann man in meinem Infoportal für Kreative nachlesen: http://www.mein-urheberrecht.de/51.html . Es gibt auch viele Internetportale, auf denen man Bilder zur kostenlosen Nutzung herunterladen kann, in der Regel unter Open Content Lizenzen wie zum Beispiel Creative Commons. Und schließlich gibt es Bilder, deren Schutzfristen abgelaufen sind. Diese kann man ganz frei verwenden und bearbeiten und muss auch keine Quelle angeben.

    LG

    Ringo

    • Daniel schrieb am 23.03.2016
      Antworten

      Hallo Ringo,
      erst mal danke für dein Kommentar und den Tipps. Du wirst lachen, aber ich habe eine zweite Abmahnung erhalten. Wegen eines Bildes unter Creative Commons. Auch hier ist man nicht sicher. Die Details kann ich jetzt nicht nennen. Aber auch hier sind viele Stolpersteine.

      Bilder bei denen die Schutzfrist abgelaufen ist, ja da hast du recht.

      Was das Bildzitat angeht, sehr schwierige Sache und auch hier, viele Stolpersteine.
      Grüße
      Daniel

      • Ringo schrieb am 05.04.2016
        Antworten

        Gern geschehen. Lasst euch bloß nicht entmutigen von solchen Abmahnungen. Viele Sachen kann man positiv sehen. Eine Abmahnung kann als Impuls dienen, seine Arbeit auf weitere Fehler zu untersuchen und zu verbessern. Dabei lernt man neue Dinge und verliert die Unsicherheit im Umgang mit Medien. Leider habt Ihr euch für den Weg der Angst entschieden. Aber Entscheidungen kann man revidieren. Deshalb möchte ich euch ermutigen, die Zügel wieder in die Hand zu nehmen, und das Internet zu gestalten. Gerade jetzt ist ein denkbar guter Zeitpunkt dafür 🙂

  5. Frau Margarete schrieb am 24.03.2016
    Antworten

    Hallo Daniel,
    ich habe deinen Beitrag schon über Twitter gesehen (und geteilt), denn ich kann sehr gut nachfühlen, wie es dir geht.
    Bei mir ging es nicht um ein Bild, sondern um einen Textausschnitt, der unerlaubter Weise aus einem Online-Lexikon kopiert war. Tja, das habe ich nicht mal selbst gemacht, sondern ein Gastblogger, aber leider musste ich dafür gerade stehen, weil es eben mein Blog ist. Nette Antwort des Gastbloggers: „Du hättest meinen Text ja mal kontrollieren können!“ … naja, er hat seinen Anteil bezahlt, aber leider ist für mich das Thema nicht einfach so gegessen.
    Ich hatte damals (Sep. 2015) schon alle möglichen Bilder von meinem Blog gelöscht (denn ich weiß, dass ich Text nicht kopiert habe, so wie mein Gastblogger) – und gestern im Rahmen eines neuen Designs habe ich noch mal alles kontrolliert.
    Aber, um ehrlich zu sein, jedes Mal wenn ich mein E-Mail-Postfach oder meinen normalen Briefkasten öffne, habe ich Panik, dass da wieder so ein Brief drin ist.
    Ich habe mich jetzt bei diversen Pressestellen angemeldet von Filmverleihen, aber soweit ich das sehe, darf man die Bilder da auch meist nur bis 90 Tage nach Kinostart nutzen? Da muss man dann auch wieder aufpassen, oder habe ich da was falsch verstanden? Du hast ja oben geschrieben, dass du dich da auch angemeldet hast.
    Ich entwickel jetzt auch vermehrt Ideen, eigenen Content zu produzieren, aber wenn man über Filme, Serien etc bloggt, wäre es doch schön, da etwas freier mit Bildmaterial umgehen zu können 🙁

    • Daniel schrieb am 24.03.2016
      Antworten

      Hi Margarete,

      erst mal danke für dein Kommentar.

      In deinem Fall ist das ja auch richtig bitter! Ich kann mit dir fühlen. Auch das mit dem Briefkasten und dem E-Mail-Postfach erlebe ich seither exakt genauso.
      Ich habe auch alles gelöscht. Wirklich alles! Selbst Screenhots von Youtube Videos. Mein Blog ist jetzt so nackt, bis auf die paar Bilder die ich selbst erstellt habe.
      Das ist wirklich alles sehr schade und man hat auch irgendwie gar keine Lust mehr.

      Ich blicke bei den Pressestellen auch noch nicht so durch. Ich habe die mal alle angeschrieben und nachgefragt. Sobald ne Antwort kommt, gebe ich dir bescheid. Bei Disney habe ich davon nichts gelesen.
      Ich glaube hier kann man alles verwenden, auch 90 Tag danach. Bin mir aber nicht 100% sicher. Auch hier habe ich nachgefragt.

      Stimme dir da voll zu. Was ist den eine Review zum neuen Batman v Superman Film ohne das Poster? Keine Ahnung, ich bleibe am Ball und frage überall nach.

  6. Frau Margarete schrieb am 24.03.2016
    Antworten

    Danke, ich würde mich sehr freuen, wenn Du mir Bescheid gibst, was die Nutzungsrechte angeht bzw wir uns gegenseitig auf dem Laufenden halten. Ich werde mich die Tage da auch nochmal einlesen, bei manchen warte ich noch auf die Freischaltung im Portal.

    Liebe Grüße

    • Daniel schrieb am 25.03.2016
      Antworten

      Ja ich warte auch noch bei einem. Ich melde mich bei dir.

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